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Physikkolloquium: Friedliche oder militärische Nutzung? Zur Geschichte der Kernforschung in Nazi-Deutschland, Österreich und den USA

Jun 17
June 17, 2020 12:00 pm - 1:00 pm
Hörsaal H, Staudtstr. 5, Erlangen

Friedliche oder militärische Nutzung? Zur Geschichte der Kernforschung in Nazi-Deutschland, Österreich und den USA

Eine Nuklearwaffe oder ein Kernreaktor mit dem Ziel der Energiegewinnung? Mit der Entdeckung der Kernspaltung im Jahr 1938 boten sich beide Optionen. Der Vortrag vergleicht das amerikanischen Manhattan Project mit dem deutschen Uranverein, d.h. die zwei zentralen Kernforschungsprojekte während des II. Weltkrieges. Ein besonderer Schwerpunkt der Analyse liegt dabei auf der ‘Alltagsarbeit’ der Physiker im Uranverein. Dies zeigt, dass eine Fixierung der Diskussion auf eine ‘Bombe’ die historische Perspektive verengt und dadurch notwendig zu falschen Interpretationen der Geschichte führt. War es eine “bewusste” Entscheidung der Wissenschaftler, welchen Weg sie verfolgten? Gab es eine moralische oder ethische Entscheidung der Physiker im II. Weltkrieg oder später im Kalten Krieg? Bis heute ist die Problematik der Dual-Use-Technology Kerntechnik präsent. Für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg führe ich dies am Beispiel des österreichischen Nuklearprogramms im Kontext transnationaler Wissensströme aus.

Christian Forstner ist Heisenberg-Fellow in der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte am Ernst-Haeckel-Haus der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Er studierte Physik an der Universität Regensburg, wo er mit einer Arbeit zur Quantenmechanik im Kalten Krieg promoviert wurde. Er war Mitarbeiter und Predoctoral Fellow am MPI für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, Postdoc am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und von 2007 bis 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ernst-Haeckel-Haus an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er sich 2017 mit einer Arbeit zur Geschichte der Kernphysik und Kerntechnik habilitierte. Nach zwei Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB 1095 “Schwächediskurse und Ressourcenregime” an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main kehrte er 2019 wieder nach Jena zurück. In der Community ist Christian Forstner u.a. seit 2011 als Leiter des Fachverband Geschichte der Physik der DPG aktiv.

Sprecher: PD Dr. Christian Forstner, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Kontakt: Prof. Dr. Klaus Mecke